Sanierung im Denkmalschutz

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Schlösschen Oppenheim

Autor: Stefan Oehler, Energieberater für Baudenkmale
GreenTech, Werner Sobek, 60598 Frankfurt

Spannungsfeld Bauhaus – Barock

Das sogenannte Schlösschen in Oppenheim wurde 1780 als Gartenhäuschen für den kurpfälzischen Landschreiber erstellt und stand 2011 kurz vor dem Verfall. Es steht unter Denkmalschutz, da es mit seiner geschweiften Kuppelhaube, dem Mansarddach und dem reich profilierten hölzernen Traufgesims die letzte erhaltene barocke Gartenarchitektur der Stadt darstellt.
Der Anbau aus den 1950er Jahren wird ausgebaut, vereinheitlicht und dem „Schlösschen“ modernisiert zur Seite gestellt. Gezielt platzierte Öffnungen setzen den Altbau, den Garten und die gegenüberliegende, unter Ensembleschutz stehende Häuserreihe in Szene. Sowohl architektonisch als auch energetisch entstand eine Gesamtlösung mit vielen spannenden Kontrasten. Barock auf der einen, Bauhaus auf der anderen Seite, denkmalgerechte Sanierung hier, hocheffiziente Lösungen dort, sowohl Denkmalschutz als auch moderner Wohnkomfort. In diesem Spannungsfeld wurde eine ausgewogene, wohltemperierte Lösung gesucht, um zwischen den beiden Welten 1780 und 1950 mit komfortablen Wohnräumen aufzuwarten.

Das Gesamtprojekt wurde 2015 beim BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz mit einer Anerkennung gewürdigt.

Planung

Um die erforderliche Wohnfläche für die vierköpfige Familie zu erzielen, mussten sowohl Schlösschen als auch Anbau auf zwei Geschossen ausgebaut werden. Im Erdgeschoss sind alle Räume über eine schmale Verbindung direkt miteinander verbunden, im Obergeschoss ergeben sich zwei voneinander getrennte Schlafbereiche. Da die Umrisse der bestehenden Gebäude unverändert blieben, konnte der Garten ohne Einschränkung übernommen werden.

Energiekonzept

Der Anbau konnte annähernd im Passivhaus Standard gedämmt und gedichtet werden, Wärmerückgewinnung und 3xWSchGlas reduzieren den Heizwärmebedarf. Lediglich die grenzständige Außenwand musste von innen gedämmt werden, da der Nachbar keine Einschränkungen akzeptieren wollte. Das Schlösschen hingegen konnte nur im Dach hochwertig gedämmt werden, die Wände haben innen und aussen einen mineralischen Dämmputz erhalten. Die Bodenplatte ist komplett neu und entsprechend hochwertig gedämmt, die Fenster sind zweifach verglast. Dadurch hat die Fußbodenheizung im Schlösschen mehr als die doppelte Heizlast zu schultern, das Schlösschen bleibt im Winter kühler als der Anbau, da bei gleicher Lufttemperatur die Umfassungsflächen kälter bleiben. Der Anbau ist als KfW 55 Sanierung mit einem Heizwärmebedarf nach EnEV von 60 kWh/m2 a deutlich effizienter als das Schlösschen im KfW Denkmal Programm mit einem Heizwärmebedarf von 162 kWh/m2 a. Der Anbau wird mit einer Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt, das Schlösschen aus gestalterischen Gründen nicht. Die fehlende Wärmerückgewinnung ist einer der Gründe für die geringere Energieeffizienz des Schlösschens. Diese unterschiedliche Behandlung war aus vielerlei Gründen unumgänglich, nicht zuletzt waren die Vorstellungen der Bauherren und des Denkmalamtes zu berücksichtigen, so dass der Bedarf des Anbaus bei 63 % niedriger liegt als der Bedarf des Schlösschens. Trotz dieser Unterschiede konnte für beide Baukörper eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit 300 Liter Pufferspeicher eingesetzt werden, um darüber Heizung und Warmwasserbedarf zu decken.

Daten

Dämmung Hüllflächen Schlösschen

– Dach: Faserdämmstoff, WLG 045, Dicke 16 – 30 cm, u-Wert gesamt = 0,16 W/m2 K
– Wand: Dämmputz innen, WLG 080, Dicke 3 cm, u-Wert gesamt = 0,69 bis 0,53 W/m2 K
– Wand: Dammputz aussen, WLG 080, Dicke 4 cm
– Bodenplatte: WLG 035, Dicke 10+8 cm, u-Wert gesamt = 0,18 W/m2 K
– Holzfenster: u-window = 1,47 bis 1,64 W/m2 K

Dämmung Hüllflächen Anbau

– Innendämmung Grenzwand: WLG 045, Dicke 12 cm, u-Wert gesamt = 0,31 W/m2 K
– Wand: WLG 035, Dicke 16 cm, u-Wert gesamt = 0,19 W/m2 K
– Flachdach: WLG 035, Dicke 30 cm, u-Wert gesamt = 0,11 W/m2 K
– Bodenplatte: 10 cm EPS WLG 035, 5 cm PUR WLG 030, u-Wert gesamt = 0,21 W/m2 K
– Holzfenster: u-window = 0,94 bis 1,16 W/m2 K

Integrales Planungsteam

Architekt: Dirk Miguel Schluppkotten, Architekt, Frankfurt
d.schluppkotten@dmsarch.de

Tragwerk, Holzsanierung: Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co KG
andre.schade@wernersobek.com

Energie, Komfort, Bauphysik, KfW, Denkmal:
GreenTech, Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co KG,
stefan.oehler@wernersobek.com

Abbildungen

Stefan Oehler / Dirk Miguel Schluppkotten / Stefan Müller

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